Der Verantwortungsbereich der IR wächst und wächst …

Die Geschichte der Investor Relations blickt auf eine inzwischen 66-jährige Geschichte zurück. Datiert wird der Ursprung auf das Jahr 1953. In diesem Jahr legte das US-Unternehmen General Electric ein Kommunikationsprogramm auf, welches sich speziell auf private Investoren ausrichtete. Sein Name: Investor Relations (IR).

Seit dieser Zeit hat sich viel getan im Verantwortungsbereich der IR. Die Kommunikation mit privaten Investoren bildet heute nur noch einen kleinen Bestandteil der täglichen Arbeit. Ob Hauptversammlungen, Analystenkonferenzen, Geschäftsberichte, Roadshows, Investorenpräsentationen, Auswertung von Analystenberichten & Finanzmarktdaten oder auch das Thema Credit Rating.

Auch ist Investor Relations heute keine ausschließlich nach außen gerichtete Tätigkeit mehr sondern orientiert sich auch in das Unternehmen hinein: So müssen Entscheidungsvorlagen für den Vorstand vorbereitet oder die Kommunikation mit dem Aufsichtsrat gepflegt werden. Vorstand und Aufsichtsrat werden geschult und informiert darüber, wie Investoren & Analysten das Unternehmens sowie das Management wahrnehmen. Es werden Beiträge für die Unternehmenszeitschrift verfasst mit dem Ziel, den Unternehmenskollegen ein größeres Verständnis für das Thema IR nahezubringen.

Als wenn diese Erweiterungen des Verantwortungsbereiches der IR noch nicht ausreichen würden: Besonders der Bereich Regulation hat durch immer strengere Vorschriften den IR-Verantwortungsbereich deutlich erweitert: Adhoc-Meldungen, Directors Dealing, Stimmrechtsmeldungen, Vorabbekanntmachungen: Die Anforderungen und Anspruchsgruppen werden immer mehr: Der Gesetzgeber, die Börsen, Corporate Governance Kodex. So kommen viele Unternehmen heute kaum noch um eine Kapitalmarkt-Compliance herum, um sicherzustellen, dass die zahlreichen Regeln auch wirklich eingehalten werden, Mitarbeiter ausreichend geschult und Kollegen aufklären werden. Dies beinhaltet auch geeignete Kontrollen, ein Fehlverhalten von Mitarbeitern in Bezug auf Kapitalmarktregeln zu unterbinden.

Als sei all dies noch nicht genug, rollen weitere Themen auf die IR zu: Shareholder Activism, die Auswirkungen von MiFID II & Corporate Access, ESG, passive Investing, weitere Ausdehnung der Regulationen:

Shareholder Activism: hier setzen Aktionäre, die über einen erheblichen Anteil an Stimmrechte verfügen, das Management eines Unternehmens durch massive Forderungen unter Druck. Solche Forderungen können bis zur Absetzung von Vorständen oder Aufsichtsratsmitgliedern gehen. IROs kommt in diesem Zusammenhang häufig die Aufgabe zu, Investoren & Medien sowie deren Anfragen genauestens zu analysieren und an Vorstand & Aufsichtsrat zu melden. „Influencer“ sind zu monitoren, Medienkontakte zu pflegen, damit Aktivisten sich den Medien schlechter für ihre Zwecke bedienen können. Die Nachrichtenlage über mögliche riskante Themen sind zu prüfen und die Veränderungen in der Aktionärsbasis müssen regelmäßig überwacht werden.

MiFID II & Corporate Access: Nachdem durch MiFID II bei immer mehr Unternehmen die Anzahl des Sell-Side-Research, Roadshows, organisiert durch die Sell-Side sowie entsprechende Konferenzeinladungen immer weiter zurückgeht, müssen die IR-Abteilungen selber ein Investor Targeting vornehmen. Das heißt: Roadshows selber organisieren und den direkten Austausch mit den Investoren suchen.

ESG:Ethical pressures boost ESG funds“, so titulierte die Financial Times erst im November 2019 die jüngsten Entwicklungen im Bereich der nachhaltigen Investments. Und diese Gelder werden mehr &  mehr nach nachhaltigen Kriterien in Unternehmen investiert. Das führt zu einer weiteren Ausdehnung der IR-Arbeit: Nachhaltigkeitsreporte, Nachhaltigkeitsroadshows, Fragebögen von Rating-Agenturen, Engagement-Investoren, die ‚ihre Sicht der Nachhaltigkeit‘ bei den Unternehmen durchsetzen wollen.

Passive Investing: Passive Investments steigen immer weiter an. So konnte man in den vergangenen 10 Jahren unglaublich hohe Zuflüsse von Geldern in passive Investment-Vehikel beobachten. Für die IR heißt das: Sich auf eine weitere Investorengruppe einstellen. Denn – auch wenn man einen passiven Investor nur schwer beeinflussen kann – so hat er doch Stimmrechte und kann ggf. auf der Hauptversammlung einen entscheidenden Einfluss einnehmen. Es gilt bereits lange vor der Hauptversammlung den Kontakt mit passiven Investoren zu suchen und Themen wie Vergütung und Governance-Aspekte anzusprechen.

Weitere Ausdehnungen der Regulationen: Herausforderungen ergeben sich bspw. durch die Aktionärsrechterichtlinie, eine Updated des Stewardship Codes in der UK, neue Gesetze im Bereich der Repräsentation von Mitarbeitern in Frankreich, der Trend zu Corporate Purpose – also das Festlegen von höheren Zielen und einem tieferen Unternehmenssinn sowie Gesetzgebungen im Bereich M&A. Weitere Angleichungen gibt es im Bereich des Overboarding.

Ach ja, und dann ist ja auch die Kommunikation mit Privatinvestoren & Institutionellen Investoren ….