Retail IR – eine oft unterschätzte Komponente der IR

Die meisten Unternehmen neigen bei ihrer IR-Arbeit dazu, den Fokus auf institutionelle Investoren, Portfoliomanager, Vermögensverwalter und Equity-Analysten zu legen. Aber das Umfeld verändert sich und es gibt eine spürbare, kontinuierliche Veränderung des Marktes. Kleinanleger haben einen erheblichen Einfluss auf den Markt und werden zu einflussreicheren Akteuren in der Investorenwelt.

Der Satz “Esprit de corps” passt perfekt zu Kleinanlegern. Ein einzelner Investor kann den Aktienkurs Ihres Unternehmens nicht nach oben oder unten schwanken lassen. Aber aufgrund ihrer Vielzahl haben Privatanleger gerade bei Micro- und Smallcap-Unternehmen einen erheblichen Einfluss auf die Liquidität der Aktie und die Aktienkursentwicklung.

Wie informieren sich Privatanleger über ein Unternehmen?

Das Informationsverhalten von Kleinanlegern weicht erheblich von den professionellen Akteuren wie Portfoliomanagern und Equity-Analysten ab. Kleinanleger greifen auf die Unternehmenswebsite, Social Media, Online-Foren und Online-Nachrichtenquellen zurück. Sie sammeln  Informationen über „Ihr“ Unternehmen über alle erdenklichen Quellen, Quellen, die auf teilweise verzerrten Nachrichten beruhen, auf Gerüchten oder Spekulationen basieren. Die Basis einer guten Retail-Investor Relations ist es daher, den Privatanlegern genügend Informationen aus erster Hand zu bieten.

Warum sollte man die Informationsbedürfnisse von Kleinaktionären ernst nehmen?

Warum sollte ein Unternehmen sich überhaupt um die Informationsbedürfnisse von Kleinaktionären interessieren? Diese haben doch ohnehin nur 1x im Jahr – nämlich auf der Hauptversammlung – ein Auskunftsrecht. Was sind also die Folgen von „zu wenig Informationen“ für Privataktionäre? Kleine Unternehmen mit vielen Privataktionären und wenig institutionellen Investoren im Aktienregister spüren es schnell an der Aktienkursentwicklung: Wenig Unternehmensinformationen führt zu Spekulationen. Die Spekulationen führen zu Gerüchten, das Vertrauen schwindet, Aktien werden verkauft, der Aktienkurs gerät deutlich unter Druck.

Wie kann ein gutes Retail-IR-Programm aussehen?

Wichtig bei der Kommunikation mit Privataktionären ist die Regelmäßigkeit. Steuern Sie die Diskussionen der Privataktionäre, indem Sie als Unternehmen die Themen bestimmen. Dabei müssen es nicht immer kursrelevante Nachrichten sein. Ein kurzes Update zu einem Projekt. Eine Zusammenfassung der letzten Teilnahme einer Industriemesse. Die Vorstellung einzelner Abteilungen im Unternehmen. Die Skizzierung der Arbeiten und Aufgaben einer Auslandsniederlassung. Ein Interview mit dem Leiter Forschung und Entwicklung. Privataktionäre sind an allen Informationen zu „ihren“ Unternehmen interessiert, nicht nur an den kursrelevanten Informationen.

Welche Kanäle sollten genutzt werden?

Als Kanäle zur Kommunikation mit den Privataktionären eigenen sich besonders gut die digitalen Medien. Besonders beliebt bei Privataktionären: Quartals-WebKonferenzen, bei denen der CEO das vergangene Quartal durchspricht. Selbstverständlich im Live-Video, Fragen können mithilfe eines Chats gestellt werden. Ein monatliches Video-Podcast, in denen die wichtigsten Fragen der Privataktionäre vom IRO beantwortet werden. Social Media, welches über Messen und unternehmensinterne Veranstaltungen berichtet. Und selbstverständlich die Unternehmenswebsite mit interaktiven Grafiken und Informationen.

Steuern Sie als IR-Verantwortlicher die Diskussionen der Privatanleger. Wenn Sie es nicht tun, tut es jemand anderes.